In unserer Praxis werden verschiedene Methoden zur Zahnextraktion angeboten. Zahnextraktionen werden am stehenden Pferd / Pony durchgeführt. Hierzu erhält der Patient eine „Standnarkose“ die per Dauertropfinfusion über eine der beiden Halsvenen in denen zuvor ein Venenverweilkatheter gelegt wurde, verabreicht wird. Diese Standnarkose ist eine Kombinationen aus einer tiefen Sedation, einem hochdosierten Schmerzmittel (Opioidartig) sowie einer gering dosierten Muskelrelaxans (Valium). Zudem erhält der Patient für die Dauer der Operation kontinuierlich über den Venenverweilkatheter Schmerzmittel verabreicht.

Neben der Standnarkose werden bei unseren Patienten die Zähne des Oberkiefers bzw. Unterkiefers betäubt. Dies erfolgt über eine Anästhesie (Betäubung) des entsprechenden Nervenastes des Ober-/ oder Unterkiefers.

Eine Komplikation die bei der Oberkieferastbetäubung auftreten kann ist ein Bluterguss hinter dem Auge. Hierbei schwillt das umliegende Augengewebe durch Einblutungen an. Dabei kommt es zu einer Verkleinerung der Lidspalte. Dieser Bluterguss hat sich meist nach zwei bis drei Tagen wieder vollständig zurückgebildet so dass es zu keinen bleibenden Schäden kommt.

Anästhesien des Unterkieferastes verlaufen normalerweise ohne Komplikationen.

Der erste Schritt der Zahnextraktion besteht darin, den Zahn durch sogenannte Spreizer zu locker. Dazu wird mit unterschiedlich dicken Spreizern in die Zahnzwischenräume eingegangen. Anschließend kann der Zahn mit weiteren Zangen gelockert werden. Ist der Zahn gelockert, wird er mithilfe einer Zangen-Hebeltechnik aus dem Zahnfach gezogen.

Beim Versuch den Zahn durch Spreizer bzw. durch weitere Zangen-/ Hebeltechnik zu lockern, kann es zu Schäden an den benachbarten Zähnen kommen (selten). Außerdem kann es passieren, dass die Krone des betroffenen Zahnes beim Extraktionsversuch abbricht und eine Extraktion über die Maulhöhle nicht mehr möglich ist.

Sollte bei dem Zahn Ihres Pferdes / Ponys ein massiv geschädigter Zahn vorliegen (Ihr behandelnder Arzt klärt sie hierzu auf) bzw. ist es bei dem Extraktionsversuch zu einem Bruch der Krone gekommen, ist eine Buccotomie notwendig um den Wurzelrest aus dem Kiefer zu entfernen.

Bei einer Buccotomie wird ein kleiner Schnitt (1-2cm) in der Wange des Patienten aus Höhe des betroffenen Zahns durchgeführt. Anschließend wird stumpf (unter Vermeidung einer starken Traumatisierung des Gewebes) mit einer Hülse (Throkar) durch die Wange des Patienten durchgegangen. Dadurch erhält man einen Zugang zum Zahn und kann nun mit dem entsprechendem Instrumentarium von außen den Zahn bearbeiten.

Der Zahn wird nun mit kleinen Meißeln weiter gelockert. Anschließend wird in den Zahn ein Loch gebohrt sowie ein Gewinde geschnitten. In dieses Gewinde wird von außen eine Gewindestange eingedreht, an deren Ende sich eine Schlagplatte befindet. Mit kleinen Hammerschlägen auf diese Platte kann der Zahn in die Maulhöhle extrahiert werden.

Komplikationen die im Zusammenhang mit der Buccotomie auftreten können, sind:

  • Kurzzeitige Lähmung der Unter- / Oberlippe durch die lokale Betäubung des Hautschnittes (selten)
  • Dauerhafte Lähmung der Unter- / Oberlippe durch eine Schädigung eines Gesichtsnervens beim Durchdringen der Wange (sehr selten)
  • Nach erfolgter Extraktion Entzündung der Inzisionsstelle mit Schwellung der Wange sowie vorübergehender/ dauerhaften Lähmung der Ober-/ Unterlippe
  • Verbleiben von Zahnresten / Wurzelfragmenten im Zahnfach, welche röntgenologisch nicht darstellbar sind [führen fast immer zum Auftreten einer einseitigen eitrigen Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung, Kieferhöhlenentzündung) und Osteitis (Knochenentzündung). Hier wird eine Computertomografie die mit erheblichen Kosten verbunden ist, notwendig ]
  • Bildung einer Zahnfachfistel (Verbindung zwischen dem Zahnfach in dem sich der extrahierte Zahn befand und der Kiefer-/ Nasenhöhle, ebenfalls Computertomografie notwendig)

Sollte der Zahn nicht durch eine Buccotomie extrahiert werden können, wird in einem nächsten Schritt eine sogenannte Trepanation notwendig. Hierbei wird in die Kieferhöhle oberhalb der Wurzel des betroffenen Zahns ein kleines Loch gebohrt. Anschließend wird der verbleibende Zahn- / Wurzelrest mit einem Metallpin in die Maulhöhle ausgetrieben. Eventuell ist zur Trepanation eine Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) notwendig, hierzu werden Sie gesondert aufgeklärt.

Nach der Trepanation kann es ebenfalls zu den oben erwähnten Komplikationen kommen.

Im Allgemeinen ist darauf hinzuweisen dass Zahnextraktionen schwierig und zeitaufwendig sind, die des Öfteren mehrere Sitzungen benötigen um den entsprechenden Zahn zu ziehen. Komplikationsraten bei Zahnextraktionen werden in der gängigen Literatur mit 60 – 80% angegeben.

Sollten noch weitere Fragen zur Thematik der Zahnextraktion bestehen, können Sie uns gerne ansprechen.